


Donnerstag 8 Uhr
Fiese Diagnose vom Hausarzt bekommen - Blaulicht Auto bringt mich ins Bazillenzentrum der Stadt.
Donnerstag 8.15 Uhr
Ankunft Intensivstation. Im Gegensatz zu Emergency Room gibt es hier weder hübsche Ärzte noch attraktive Schwestern (Ich cheisse Polina und wenn Sie brauchen was, sie klingeln)
Donnerstag 9.15
Eine Ärztin bemüht sich sehr um mein Wohlbefinden - zahlreiche Untersuchungen folgen. Beobachtung wird angeordnet. 72Stunden Minimum Donnerstag 12 Uhr Man schiebt mich samt Bett in ein schickes Zimmer mit TV, an dem die Fernbedienung fehlt - ein Kanal wird angestellt, dem ich in den nächsten Stunden hilflos ausgeliefert bin.
Aufstehen kann ich nämlich nicht, dank der Steckverbindungen, die aus meinem Körper in diverse Maschinen münden. Im Fernsehen wird ausgiebig gekocht, probiert und geschmatzt. Genau das richtige für jemand, der seit 8 Uhr nichts gegessen hat.
Donnerstag 13 Uhr
Einer Schwester fällt siedend heiss ein, für wen das überzählige Essen ist. Rettung naht.
Donnerstag 13.30 Uhr
Müde und satt, wie schön is dat. Jetzt ne Runde Schlaf - Nein Mann - Du kannst noch nicht gehn - in das Reich der Träume - erst kommt noch ein neuer Nachbar, der schön sägt, vermutlich dicke Bäume.
Sonntag 12 Uhr
Mangelnder Schlaf macht sich um die Augen bemerkbar, aber immerhin sind die 72 Std. überstanden und ich werde auf Normalstation verlegt. Die 7er soll ne Super Station sein, höre ich noch jemand sagen…
Sonntag 12.30 Uhr
Angekommen auf Superstation 7 , erstes Zimmer links. Alles Dreibettzimmer. Zwei Rentner starren mich neugierig an. Taufe sie zunächst Statler und Waldorf. 77 und 82 Jahre alt. Revidiere den Namem Waldorf, als ich seine rechte Hand sehe, an der sich nur noch ein Daumen befindet. Besonders wenn er den Daumen krümmt, sieht er aus wie…
Käpt’n Hook erklärt mir in aller grausamen Deutlichkeit, wie er die restlichen Finger in einer Art Fleischwolf-Maschine verloren hat - prima, da kommt gerade das Essen: Fleischbällchen an blutroter Sauce. Örks.
Sonntag 17.30
Abendessen: Drei noch fast tiefgekühlte Stullen Brot, lustig bunter Wurstaufschnitt, Käse und Streichwurst, welche Ähnlichkeit mit Aussenfugenkitt hat. Und auch so schmeckt. Schaue besorgt auf die beiden Rentner, die die Fernsehzeitung studieren. Läuft heut Carmen Nebel ? Mutantenstadl ? Ach ne, das war ja gestern. Schwein gehabt. Im übrigen scheinen beide sehr schläfrig zu werden. Endlich auch längerer Schlaf für mich ? Fehlanzeige: Dr. Hook scheint der amtierende usbekische Schnarchweltmeister zu sein - Statler schickt sich an Schlafzuwandeln. Na denn mal “gute” Nacht.
Montag 8 Uhr
Erfahre beim Frühstück, dass meine Zimmernachbarn mich verlassen. Das wird ein guter Tag. Dachte ich zumindest eine Stunde lang.
Montag 9 Uhr
Eine Mischung aus Bigfoot, Koloss von Rhodos und Bud Spencer wird mit 3Pflegern in mein Zimmer geschoben - was riecht denn hier plötzlich so sauer ? Dass er mit 45 keine Zähne mehr im Mund hat , erweist sich als schwierig bei der Installation seiner “von zu Hause mitgebrachten” Beatmungsmaschine. Baujahr 1919. Den Geräuschen nach zu urteilen. Meine Augenringe könnten Ozzy Osburnes durchaus stand halten.
Montag 13 Uhr
Supermario mit dem kugelrunden Bauch, gesellt sich zu uns als neuer Zimmernachbar. Er hat so viele Schuppen auf der ganzen Haut, dass er ähnlich PigPen von den Peanuts bem Laufen eine kleine Schuppenwolke hinterlässt. Dies wird für mich allerdings erst dann zum Problem, als ich nach ihm auf die Gemeinschaftstoilette gehe, und die blaue Brille, plötzlich gepudert weiss ist.
Montag Nacht
Selbst die in Ear Kopfhörer und die Barmusik im IPod , verhelfen mir nicht zum Schlaf. Eine Mischung aus Sägewerk und DarthVader Beatmungsgeräuschen dringt an meine Hörknospen.
Dienstag 8Uhr
Ein müder Tag mit einigen Untersuchungen und kurzen komatösen Schlafphasen zieht durchs Land. Der Abend insbesondere die Nacht wird unvergessen…
Dienstag 21Uhr
Während DarthVader laut beatmet wird und taktbegleitet dazu schnarcht, wird Supermario plötzlich nachtaktiv. Er springt aus dem Bett und zeigt auf die Klimaanlage: “Siehst Du den weissen Nebel, der ausströmt ? Der setzt sich schon auf die Wand und auf die Tür. Ist schon alles feucht !” Ich fahre mit der Hand über die trockene Tür und erspare mir auch den Kommentar über die nicht vorhandene Nebelwolke. Die hinzugezogene Schwester nickt mir verständnisvoll zu…
Dienstag 23.45
Ich werde wach durch das Geräusch von Metall auf Metall und werde Zeuge, wie Hallu-Mario sein herausgenommenes! Bettgestänge (an dem man sich hochzieht) in der Hand schützend über seinen Kopf hält. Klar. Die Decke wölbte sich über ihm und drohte auf seinen Kopf zu stürzen. Fühle mich, wie im Asterixheft, zu Gast beim Häuptling…
Mittwoch 0.15
Nachdem ich ein ernstes Morgengespräch mit dem Schwesternzimmer führte und wir gemeinsam Hallu-Mario von der festen Bausubstanz überzeugen konnten, fiel der Schlaf wie ein Ungeheuer aus dem Herrn der Augenringe über mich.
Mittwoch 7 Uhr
Die Schwester verrät mir heimlich, dass bei Hallu-Mario offenbar Nachwirkungen von Morphiumgaben für sein Verhalten verantwortlich sind. Zum Dank für mein Verständnis bekomme ich ein überlanges neues Bett, um endlich auch mal gerade und gestreckt liegen zu können. Ach ja, Frühstück fällt ja aus und wird durch drei Flaschen Abführmittel ersetzt. Außerdem wird mein Bett in ein neues Zimmer geschoben. Die Zimmernachbarn: MissPiggy Helmut (wird aber gleich entlassen) und der überaus freundliche 60j Türke namens Kemal, der mir sofort das Du und seinen Joghurt anbietet. Während ich zum Dauergast des WC mutiere, füllt sich das Zimmer mit Kemals Verwandten. 5, 10, 15, 20, im Lauf des Tages sehe ich ca. 50 fremde Gesichter, die mir alle freundlich gute Besserung wünschen. Um 22.30 verlässt der letzte Besuch das Zimmer. Immerhin durfte ich heute eine Tasse Brühe trinken. Der morgigen Untersuchung steht nur noch mein knurrender Magen und der Nutella-Entzug im Weg.
Donnerstag herrgottsfrüh
Kemal gehört zu den Würfel-Hustern und liess mich nicht allzulang am Stück schlafen. Mit den Augenringen bekomme ich bestimmt bei MichelinReifen einen Werbevertrag. Zum Glück gibt’s bei den Untersuchungen gleich Vollnarkose, so dass einem festen Schlaf nichts im Wege steht.
Donnerstag High Nun
Eine freundliche schwarze Nonne bringt mir nach dem Wecken Mittagessen. Endlich Nahrung. Die Untersuchungen ohne Komplikationen hinter mich gebracht erfreue ich mich an der Grossfamilie Kemals, die mir erneut gute Besserung wünschen. Den ganzen Tag lang. Bis 22.30.
Freitag 8 Uhr
Der neue, mindestens 106jährige, Zimmernachbar hat vermutlich etwas ansteckendes. Macht ja dann auch Sinn, die zwei Zimmernachbarn in einer Blitzaktion zu verlegen. Ich komme zu the next Generation Statler und Waldorf, 82 und 79 Jahre alt, und scheinbar schon miteinander befreundet. Sie lästern über die Besuchsgewohnheiten der Türken und sabbeln selbst bis mitten in der Nacht. Ach und Wach Geschichten aus dem Krieg.
Freitag 23 Uhr
Statler und Waldorf schlafen. Mir fallen die Augen zu, vermutlich bis Montag. Vielleicht bin ich Mittwoch schon raus. Ach ja, und die mörderischen Muskelkaterschmerzen von der Physioanwendung von Freitag sind dann bestimmt auch bald vergessen.
Wie ich mich fühle ? Fragt nicht.